Pothole Rodeo Revolution 2021 – Teil 3

Nach knapp 7500km ging diese wahnsinnige Grenzerfahrung vorgestern mit dem Zieleinlauf zu Ende. Wenn wir ehrlich sind, hätten wir nie gedacht, dass wir das Ziel erreichen. Unser Wunsch war es, bis Tschernobyl zu kommen, dass wir am Ende dann doch relativ problemlos und aus eigener Kraft die Finish-Linie überqueren, ist viel mehr als erhofft und Grund genug zum feiern.

Hier der Überblick über die zweite Hälfte des Rodeos:

Tag 7: Noch völlig überwältigt von den Eindrücken aus Tschernobyl am vorherigen Tag, soll die Etappe heute etwas ruhiger werden. Es geht zurück in die EU, genauer gesagt nach Polen in den Białowieża-Nationalpark, den letzten echten Urwald Europas an der Grenze zu Belarus. Unser Plan: Die Etappe relativ schnell durchziehen und dann im Nationalpark ein wenig wandern.

Natürlich kommt es anders. Die Ausreise aus der Ukraine klappt hervorragend. Die Einreise in den Schengenraum dauert dafür um so länger. Mittlerweile sind wir das in der Schlange stehen an Grenzübergängen aber gut geübt und wissen die Zeit gut zu überbrücken: Wir machen jede Menge Quatsch. Vier weitere Fahrzeuge inklusive Gepäck und Insassen können wir mit unserem Forrester problemlos schieben. Unsere Experimente tragen erheblich zur Unterhaltung der anderen Wartenden aber auch Grenzer bei. Nach knapp 4 Stunden ist es endlich geschafft: Wir sind zurück im Schengenraum. Ab jetzt liegen alle Zeit- und Nerven fressenden Grenzübergänge hinter uns.

Die Wanderung durch den Białowieża-Nationalpark können wir allerdings vergessen. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir den Checkpoint, den Sportplatz im Dorf. Toiletten und Duschen werden uns kurzerhand von der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr zur Verfügung gestellt, die uns spontan ihr Gerätehaus öffnen, da sie unsere Rallye klasse finden.

Tag 8: Heute geht es ins Baltikum. Ziel ist ein kleines Dorf in Litauen an der Grenze zu Lettland. Es wird eine unspektakuläre Etappe ohne größere Zwischenfälle. Aber auch das ist ja mal schön. Unser erster Zwischenstopp ist ein kleiner See auf polnischer Seite. Da es in strömen regnet, muss die geplante Pause am Seeufer leider ausfallen und außer Alex will auch niemand so wirklich im See schwimmen.

Im weiteren Verlauf des Tages besuchen wir noch die Wasserburg Trakai, eines der wichtigsten Wahrzeichens Litauens.

Tag 9: Das Rodeo ist eine Aneinanderreihung von Improvisationen und ein ständiges Reagieren auf die Situation. Da ein Teammitglied mittlerweile ziemlich erkrankt ist, lassen wir die Zwischenziele am Vormittag liegen und fahren zum Flughafen von Riga um es dort abzusetzen.

Weiter geht es zu einer ehemaligen sowjetischen Militärbasis im Norden Lettlands, die eigentlich wegen ihres überdimensionalen Lenin-Monuments bekannt ist. Aber auch abseits davon gibt es hier viel zu entdecken und wir stoßen auf eine alte Übungsanlage.

Der Checkpoint an diesem Tag hat es besonders in sich: Es ist ein Autofriedhof in Estland, den die Betreiber zu einem wahren Abenteuerspielplatz umgebaut haben. Während die einen Panzerraupe fahren und durchs Gelände brettern, lassen wir den Tag gemütlich in einigen zur Sauna und zum Whirlpool umgebauten Feuerwehrfahrzeugen ausklingen.

Abends wird dann gegrillt. Außerdem spielt eine lokale estnische Schülerband, die extra für uns engagiert wurde, handgemachte Rockmusik. Jetzt ist es richtig Festival und wir pogen uns durch die Nacht.

Wir schlafen in dem Wrack eines Reisebusses und sparen uns so das Zeltaufbauen.

Tag 10: Mit knapp 150km steht heute die kürzeste Etappe des ganzen Rodeos an. Dafür gibt es viel zu sehen. Wir statten der Altstadt von Talinn einen Blitzbesuch ab um dann weiter zum Keila-Wasserfall zu fahren. Hier können wir sogar baden. Mein Highlight an diesem Tag ist aber das ehemalige Gefängnis mit angeschlossenem Steinbruch in Rummu, in dem wir viel Zeit verbringen. Hier waren auch schon Joko und Klaas im Rahmen der Pro7-Show „Duell um die Welt“ zu Gast.

Gegen Abend fahren wir nach Pärnu, einem bekannten Badeort. Direkt am Meer ist unser Checkpoint. Wir fahren mit den Fahrzeugen direkt bis auf den Strand und springen in die Ostsee. Wir campen im Sand und freuen uns über eine nette und gemütliche Strandparty.

Tag 11: Heute heißt es wieder Strecke machen. Wir haben zwei Tage Zeit um zum Zieleinlauf kurz vor Danzig zu kommen. Einen Checkpoint gibt es nicht mehr. Da es aus unserer Sicht nur wenige lohnenswerte Zwischenziele in der Nähe gibt, fahren wir in einer kleinen Kolonne zügig die Küste entlang bis Riga. Auf dem Zentralmarkt decken wir uns erst mal mit Frühstück/Mittagessen ein. Von einem früheren Besuch in Riga ist mir noch der „Schwarzmarkt“ bekannt, ein Hinterhof-Marktplatz, auf dem man allerhand Kuriositäten zweifelhafter Herkunft erwerben kann. Da sich ein Besuch hier immer lohnt, machen wir einen kleinen Abstecher – ohne etwas zu kaufen, versteht sich.

Wir schlafen an diesem Tag in einem Hotel in Kaunas und gehen noch einmal traditionell litauische Essen.

Tag 12: FINALE! Es liegen nur wenige Kilometer und eine Fahrzeit von knapp 4 Stunden bis zum Ziel vor uns. Im Vergleich zu den Tagen davor ein echter Katzensprung. Wir wollen die „Street of Bunker“ fahren, eine Schotterpiste, die entlang ehemaliger deutscher Bunkeranlagen aus dem zweiten Weltkrieg führt. Bunker sehen wir zwar nicht so viele, dafür genießen wir aber um so mehr die Fahrt durch die idyllische Hügellandschaft.

Zum Abschluss wollen wir uns nochmal einen der wichtigsten Tatorte des NS ansehen: Die Ruinen des Führerhauptquartiers „Wolfsschanze“. Das Areal entpuppt sich jedoch als Massen- und Erlebnistourismus-Falle.

Dann haben wir es endlich geschafft und kommen in den Zieleinlauf. Erleichtert, geschafft, müde aber überglücklich. Was für ein Ritt die letzten 12 Tage durch 10 Staaten. Und die Kirsche auf dem Sahnehäubchen: Von über 90 gestarteten Teams haben wir völlig überraschend den 10. Platz gemacht. Gerechnet haben wir damit nicht. Es war auch nie unser Ziel.

Es wird eine kurze aber wilde Party, die wir mit befreundeten Teams begießen.

Tag 13: Nach einer kurzen Nacht, die wir im Auto verbringen, geht es die knapp 1200km zurück nach Hause. Die fahrt verläuft relativ ereignislos. Unterwegs knackt unser Forrester der 400.000 Kilometer-Marke, was wir entsprechend zelebrieren.

Das Rodeo ist jedoch noch nicht zu Ende. Es warten Unmengen an Videomaterial auf uns, das gesichtet und geschnitten werden muss. Rechnet mit unserer allumfassenden Tourdokumentation im Herbst. Wir peilen eine Laufzeit von 60 bis 90 Minuten an. Die Produktion wird nun allerdings nochmals mächtig Zeit kosten.


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